Und sie dreht sich doch!

Donnerstag, 01. November 2012 | Veröffentlicht von: Michael Bross, VdL e.V.

… soll Galileo Galilei gemurmelt haben, als er das Inquisitionsgericht verließ, das ihn zum Leugnen des Kopernikanischen Weltbilds gezwungen hatte. Wahrscheinlich handelt es sich dabei nur um eine Legende. Aber sie zeigt sehr schön, dass sich rückwärtsgewandte Beharrungskräfte in der Gesellschaft doch nicht durchsetzen. Selbst wenn ein fortschrittlich gesonnener Geist – und das war Galilei gewiss – zum öffentlichen Abschwören gezwungen werden kann, der Fortschritt setzt sich irgendwann durch.

Wenn es sich um Fortschritte beim Erkenntnisgewinn handelt – was in der Wissenschaft ja allgemein üblich ist – so ist die Weiterentwicklung auch unumschränkt zu begrüßen. Selbst wenn die Dinge komplizierter werden, solange sie die Realität besser beschreiben und erklären, muss das akzeptiert werden.
Bei gesellschaftlichen Entwicklungen ist das mitunter anders, vor allem wenn es um die Weiterentwicklung von Gesetzen und Vorschriften geht: komplexer werden die Regelwerke immer. Ob sie den Realitäten, vor allem den wirtschaftlichen Realitäten, in einem globalen Wettbewerb immer gerecht werden, ist im Einzelfall sehr umstritten.
Was in der Welt der Wissenschaft als Fortschritt stets willkommen ist, muss im Wirtschaftsleben nicht gelten. Die Wirtschafts- und Finanzkrise der letzten Jahre hat uns deutlich gezeigt, dass manchmal althergebrachte Methoden und traditionelle Tugenden nicht nur nicht verstaubt, sondern manchmal sogar geradezu modern sind. Augenmaß und eine gewisse Vorsicht, im Sinne von Voraussicht, sind anzuraten.
Und dies gilt auch und gerade bei der Festlegung von gesetzlichen Grundregeln für unsere moderne Gesellschaft und Wirtschaft. Wirtschaftliche Innovationen müssen sich genauso wie wissenschaftliche Thesen bewähren, wenn sie überleben wollen. Ein entsprechender wettbewerblicher Praxistest wäre auch für viele Gesetze und Verordnungen wünschenswert. Der Volksmund sagt: "Eine alte Steuer ist eine gute Steuer". Und meistens wird dieser Sinnspruch auch auf andere Rechtsfragen übertragen, wohl nicht immer zu Recht. Hier wäre manchmal weniger Fortschritt durchaus angebracht.

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