Druckfarben: Nur öffentlich ist gut

Dienstag, 29. Januar 2013 | Veröffentlicht von: Michael Bross, VdL e.V.

Mineralölreste in Lebensmittelverpackungen beschäftigen jetzt schon das Parlament. In einer kleinen Anfrage an die Bundesregierung ging es um die "Verkehrsfähigkeit von Lebensmitteln, die durch gesundheitsschädliche Mineralölbestandteile aus der Verpackung belastet sind". Auf sechs eng bedruckten Seiten wird vom zuständigen Verbraucherschutzministerium der Sachstand fein säuberlich aufgedröselt.

Unter anderem wird auch ausführlich darüber berichtet, dass das Umweltbundesamt in einem Forschungsvorhaben hat untersuchen lassen, "inwieweit eine Umstellung der Zusammensetzung der Zeitungsdruckfarben technisch möglich ist". Dabei ergab sich – oh Wunder – dass die Ergebnisse des Vorhabens erkennen lassen, dass "es grundsätzlich möglich ist, mineralölfreie Druckfarben im Zeitungsdruck einzusetzen, allerdings nicht ohne technische Anpassungen an den Druckmaschinen und den Druckfarben".
Um diese bahnbrechende Erkenntnis zu gewinnen, hätte das UBA kein Forschungsvorhaben durchführen lassen müssen. Die Forderung, die in Zeitungsdruckfarben enthaltenen Mineralöle durch Pflanzenöle zu ersetzen, ist ja nicht neu. Und die Fachgruppe Druckfarben im VdL hat dazu ausgeführt: "Mineralölfreie Zeitungsdruckfarben sind prinzipiell machbar, aufgrund mangelnder Nachfrage jedoch aktuell am Markt nicht verfügbar." Steht so im Internet. Ist also öffentlich zugänglich. Ein großartiges Forschungsvorhaben hätte es dazu nicht bedurft. Aber es ist ja das alte Lied: Wenn die Industrie etwas sagt, wird es noch lange nicht geglaubt. Zumindest so lange nicht, bis von einer "unabhängigen" bürokratischen Stelle dasselbe Ergebnis mit öffentlichen Mitteln noch einmal ermittelt wird.
Das Problem der Mineralöle in Recyclingverpackungen ist damit übrigens auch noch nicht gelöst. Auch hier gibt die Antwort der Bundesregierung Aufschluss: Eine vollständige Entfernung von Mineralöl sei nicht möglich, da Altpapierimporte und Verpackungen aus dem Ausland in den Recyclingkreislauf gelangen. Brauchen wir dazu auch noch ein öffentlich bezahltes Forschungsvorhaben?

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