Den Sprung wagen: im Freibad und bei Forschungsprojekten

Dienstag, 05. August 2014 | Veröffentlicht von: Sonja Specks, FARBE UND LACK

Anlauf nehmen, Luft anhalten, hineinspringen: Temperaturen über 30 Grad Celsius, das Freibad ist sehr gut gefüllt und am 5 m Turm gibt es eine kleine Schlange. Bei genauer Beobachtung sind einige Grundtypen an Springern zu erkennen:

Der Typ "Plumpssack":  Nur langsam begibt dieser Typus sich auf das Sprungbrett. Noch langsamer geht es an dessen Ende. Wohl auch, weil dieser Typus mehr an sein eigenes gerade denkt. Er wippt ganz vorsichtig, um dann - mehr der ungelenken Tatsache geschuldet das Gleichgewicht zu verlieren, da das Brett zurückschwingt - wie ein nasser Sack herunterzufallen.

Der Typ "Kerze":  Dieser Typus begibt sich sehr geradlinig auf den Abgrund zu. Vermeidet jedes unkontrollierbare Wippen des Sprungbretts. Dann kneift er die Augen zusammen, hält sich die Nase zu und geht den einen Schritt mehr, um mit einer enormen Körperspannung kerzengerade ins Wasser zu gelangen.

Der Typ "Zirkusclown": Klar extrovertierter Typus. Dieser nimmt extra Anlauf und springt mit viel Akrobatik ins kühle Nass. Dies kann ein wildes Gefuchtel in der Luft bedeuten oder ein formvollendeter Bauchklatscher, der die Fliesen um das Becken im 10m-Radius bewässert.

Am Ende sind alle nass

Alle Typen tauchen am Ende wieder auf. Manche schwimmen stolz und begeistert an den Beckenrand. Andere haben leichte Blessuren, die sie heldenhaft ertragen oder sich theatralisch von den Eltern oder dem Schwimmmeister behandeln lassen. Andere sind einfach nur froh die Mutprobe bestanden zu haben.

Ich denke, so oder so ähnlich ergeht es vielen Forschungsprojekten auch in der Lackindustrie. Ein Vergleich mit den Sprungturmtypen:

Wieviel Fahrt haben Ihre Projekte aufgenommen?

Das Projekt "à la Plumpssack": Es benötigen eine sehr lange Zeit, nicht nur, um zu beginnen, sondern überhaupt Fahrt aufzunehmen. Es dümpelt eher zwischen verschiedenen Abteilungen. Wäre die klare Devise von oben, dass dieses Projekt durchgezogen wird, nicht ausgegeben worden, würde es kaum Beachtung finden. Irgendwer kommt aber mal mit einem Zwischenergebnissen vorbei, dass sogar nach mehr als nur Arbeit aussieht, sondern auch ein wenig zielführenden Erfolg.

Das Projekt "à la Kerze": Dies ist sehr geradlinig geplant. Effektives Projektmanagement wird hier groß geschrieben. Meilensteine sind gesetzt, Ziellerreichungen schon vorab herausgegeben. Manches Mal muss es aber aufgrund des Zeitdrucks, eher nach dem Motto "Augen zu und durch" bzw. "wird schon gutgehen" bearbeitet werden. Es wird in jedem Fall sehr sachlich durchgezogen und Befindlichkeiten wie Jammern oder Enthusiasmus kommen nicht auf.

Das Projekt "à la Zirkusclown":  Manch ein Projekt hat noch gar nicht begonnen, da wird schon ein sehr großer Marketingaufwand betrieben, der Öffentlichkeit von der guten Absicht zu berichten. Es wird gewirbelt, nicht nur in den  Forschungsabteilungen, sondern auch in der Kommunikation, dem Marketing und auch der Verkauf ist sehr früh schon eingebunden. Diese Projekte kommen manches Mal über dieses wilde Gefuchtel nie hinaus, aber manches Mal sind sie auch formvollendet, und bringen schon Gelder ein, bevor sie in die Anwendungstechnik gelangen.

Das Resumee wird unterschiedlich gezogen, was zählt ist immer der Erfolg

Die meisten Projekte finden ein Ende, auf das aufgebaut werden kann. Mit mehr Wissen, mit mehr Ahnung über die Möglichkeiten. So werden manche Projekte mit Stolz präsentiert. Andere sind etwas weniger geradlinig, da wird über manches schlechte Zwischenresultat oder auch fehlerhafte Projektmanagement hinweggesehen, wenn es vorgestellt wird. Der Erfolg zählt. Andere Projektergebnisse zehren von den Widrigkeiten, denen sie ausgesetzt waren. Und manch ein Projektmanager und -mitarbeiter ist einfach nur froh, dass dieses Projekt endlich vorüber ist.

Und? Wie sieht ihr Sprung ins Wasser aus?

Kommentare (0)
Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben

Sie sind nicht eingeloggt

registrieren