Deklarieren Ja – kennzeichnen Nein!

Freitag, 02. Juli 2010 | Veröffentlicht von: Damir Gagro, FARBE UND LACK

Wenn's doch nur so einfach wäre: Problem gesehen, als "Nano" erkannt, Aufkleber drauf und schon sind alle zufrieden. Dazu ein öffentliches Produktregister, am Besten im Internet und mit allen Details zur Produktzusammensetzung, damit sich jeder informieren kann, wie ein Wirtschaftsgut funktioniert. Das sind zumindest die Vorstellungen vieler Verbraucher- und Umweltschützer, wenn es um die Nanotechnologie geht. Solche Ideen sind herrlich naiv. Erste Erfahrungen mit Produktregistern zeigen nämlich, dass die Industrie kein Interesse daran haben kann, ihre Betriebsgeheimnisse im Internet öffentlich zu machen.

Gerade in der Lack- und Farbenindustrie kann man seine Entwicklungsarbeit selten patentieren lassen. Einen Schutz geistigen Eigentums gibt es nur, wenn man die Dinge geheim hält. Pflichtveröffentlichungen von Inhaltsstoffen und Produktzusammensetzungen sind nichts anderes als Entwicklungshilfe für Produktpiraten.
 Ähnlich kontraproduktiv ist die Idee einer Kennzeichnung per Sticker. Kommt der Aufkleber nur drauf, wenn eine Mindestmenge an künstlich erzeugten Nanoteilchen absichtlich hinzufügt wurde? Oder gilt das auch für natürlich vorkommende Nanoteilchen? Was ist mit Verunreinigungen von Nanoteilchen, von denen man gar nicht weiß, dass sie in einem Rohstoff enthalten sind? Und schließlich: Werden nur Nanoteilchen oder auch Nanostrukturen kennzeichnungspflichtig? Wer genau genug hinschaut - was heutzutage dank der modernsten Mikroskoptechnik möglich ist - wird auf jeder Oberfläche Nanostrukturen finden. Wahrscheinlich kleben auch die Aufkleber nur wegen der Nanoeffekte auf der Oberfläche der Verpackung. Muss dann auch der bunte "Nanosticker" noch mal als Nanoprodukt gekennzeichnet werden? Die Lack- und Druckfarbenindustrie in Deutschland spricht sich aus gutem Grunde energisch gegen eine Kennzeichnung von Beschichtungsprodukten aus: Gekennzeichnet werden nur gefährliche Produkte! Zur Information von Verbrauchern über Inhaltsstoffe hat die Branche ein Deklarationssystem entwickelt, das auch Nanoteilchen einbeziehen kann. Dadurch würden Nanoteilchen als das behandelt, was sie sind: Ganz normale Bestandteile einer Lack- oder Farbenformulierung.
 Wie ist Ihre Meinung zu diesem Thema? Diskutieren Sie mit.
 Michael Bross, Geschäftsführer des Verbands der deutschen Lack- und Druckfarbenindustrie e.V.

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