Das Böse schlummert überall

Donnerstag, 29. September 2011 | Veröffentlicht von: Aline Rommert, Referentin Techn. Gesetzgebung

Der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) hat Anfang September ein Sondergutachten "Vorsorgestrategien für Nanomaterialien" veröffentlicht. Hier stellt der SRU richtigerweise fest, dass es keine Argumente gebe, Nanotechnologie im Allgemeinen und Nanoprodukte im Speziellen als gefährlich zu beurteilen. Um dennoch alle möglichen Regulierungen, Verschärfungen, Registrierungen, Beschränkungen und Verbote vorschlagen zu können, bemüht der SRU die "abstrakte Besorgnis". Die Vorstellung, dass etwas gefährlich sein könnte, dient als Basis für einen umfassenden Maßnahmenkatalog.

Damit nicht genug: Der seit Jahren anerkannte Grenzwert der ISO von 100 Nanometern als oberer Grenzwert für Nanopartikel wird auf 300 Nanometer angehoben und ist nun Ausgangpunkt für die empfohlenen Vorsorgemaßnahmen. Für eine Anpassung von REACH sieht der SRU einen eigenen Datensatz für Nanomaterialien mit allen Konsequenzen vor. Lebensmittelbedarfsgegenstände (z. B. Lebensmittelverpackungen) geben Gründe für die "abstrakte Besorgnis", hier wird ebenfalls eine Betrachtung der Nanoform als eigenständiger Stoff und darüber hinaus eine Zulassung der Verwendung in Lebensmittelbedarfsgegenständen empfohlen. Zur Verbesserung der Markttransparenz befürwortet der SRU eine Kennzeichnung von Nanoprodukten sowie die Meldepflicht in ein Produktregister. Wenn schon jeder nanoskalige Stoff in REACH registriert werden muss, warum dann noch zusätzlich jedes Produkt? Auch das ist eine Art Registrierung, in unserem Fall dann jeweils eine für jeden lackierten Gegenstand! Ganz abgesehen von dem nicht realisierbaren Aufwand, den die ständige Aktualisierung eines solchen Registers mit sich brächte, gibt es keinerlei Rechtfertigung für eine "verdachtslose" Registrierung aller Produkte, die Nanopartikel enthalten. "Abstrakte Besorgnis", interpretiert durch den Sachverständigenrat, heißt: Beweise für Schäden oder Risiken gibt es zwar nicht, aber man könnte sich ja vorstellen, dass das Böse in allem schlummert, und deshalb werden vorsorglich Maßnahmen ergriffen.

Aline Rommert, Technische
Assistentin der Geschäftsführung im VdL

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