Auf die wahren Gefahren …

Dienstag, 29. November 2011 | Veröffentlicht von: Dr. Dietmar Eichstädt, Verband der deutschen Lack- und Druckfarbenindustrie e.V.

… hat die Europäische Kommission ihren Definitionsvorschlag für Nanomaterial abgestellt. Sie hat lange für diese Definition gebraucht, aber es ist auch Gutes geleistet worden. So ist die Kommission nicht populistischen Vorschlägen gefolgt, die Größenbegrenzung für Nanopartikel bei höheren Werten anzusiedeln, sondern ist bei 100 nm geblieben. Vor allem hat sie Partikel, die in einem gebundenen Zustand – wie zum Beispiel in Lacken, Farben und Druckfarben – vorliegen, von der Definition ausgenommen.

Hier haben sich die Ergebnisse der VdL-Nanostudie mit den einzelnen Modulen positiv niedergeschlagen.  Andererseits hat die Kommission festgelegt, dass beispielsweise ein Pulver, das zu mindestens 50 Prozent der Teilchenzahl – nicht der Gewichtsprozente – aus Partikeln unter 100 nm besteht, insgesamt als Nanomaterial einzustufen ist. Zwar liegen die Messmethoden noch nicht fest, wie man diese Partikelzahl bestimmt, und es gibt auch "keine eindeutige wissenschaftliche Grundlage" für den 50-Prozent-Wert, aber er ist so beschlossen. Dies führt dazu, dass – vorbehaltlich der noch festzulegenden Messmethodik – alle Pigmente und Füllstoffe unter die Definition Nanomaterial fallen. Die Konsequenz ist, dass alle lackierten, angestrichenen oder bedruckten Gegenstände Nanomaterialien im Sinne der kommenden gesetzlichen Regelungen enthalten und somit – zumindest nach dem derzeitigen politischen Willen – zu kennzeichnen und in ein gigantisches Nano-Produktregister aufzunehmen sind. Übrigens: Sahara-Sand ebenfalls.

Noch einmal zur Verdeutlichung: Wenn in einem Beutel ein großer Wackerstein und zwei Nano-Wackersteinpartikel enthalten sind, besteht der Inhalt des Beutels zu 66,6 Prozent aus Nanopartikeln und ist somit insgesamt Nanomaterial. Die EU-Kommission hat klar erkannt, dass hiervon Gefahren ausgehen können. Denn wenn einem der Wackerstein auf den Fuß fällt, kann es sehr wehtun. Oder hat die Kommission da etwas falsch verstanden?

Dr. Dietmar Eichstädt, Hauptgeschäftsführer im VdL

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