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20. Feb 2018 // Rohstoffe

Titandioxid: Eine Diskussion pulverisiert

TiO2 bleibt hartnäckig das Sorgenkind der Lackindustrie. Didier Leroy, Technical Director des europäischen Lackverbandes CEPE, stand Rede und Antwort zur aktuellen Sachlage.

Titandioxid: Eine Diskussion pulverisiert. Bild: laboko -Fotolia

Im Juni 2017 gab die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) die Schlussfolgerung des Ausschusses für Risikobeurteilung (RAC) bekannt, dass die verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse die Kriterien der CLP-Verordnung erfüllen, um Titandioxid als Stoff mit Verdacht auf krebserzeugende Wirkung bei Einatmen einzustufen. Wegen des großen Gesprächsbedarfs brachte die Europäische Kommission das Thema beim Treffen der für REACH und CLP zuständigen Behörden, der Expertengruppe "Caracal", im November 2017 vor.

Wie ist die aktuelle Lage hinsichtlich einer möglichen Einstufung von TiO2?

Didier Leroy: Der Ausschuss für Risikobeurteilung (RAC) der ECHA hat vorgeschlagen, TiO2 als einen karzinogenen Stoff der Kategorie 2 bei Einatmen einzustufen. In den meisten Fällen übernimmt die Europäische Kommission die Stellungnahme des RAC unverändert und schlägt sie dem REACH-Ausschuss vor. In diesem Fall legte die Kommission sie den für REACH und CLP zuständigen Behörden vor, da sie feststellte, dass das Dossier "ungewöhnlich" ist und Diskussionsbedarf besteht. Der Tagesordnungspunkt wurde von anfänglich "Einstufung TiO2-haltiger Gemische" in "Einstufung von TiO2 und TiO2-haltiger Gemische" geändert, was wir als ein gutes Zeichen ansahen, dass die Diskussion auf eine breitere Grundlage gestellt wird. Die Kommission stellte fest, dass es sich nicht um eine stoffeigene Wirkungsweise im klassischen Sinne handelt, sondern vielmehr um eine "Partikelwirkung" ("PSLT" genannt für "Poorly Soluble, Low Toxicity" – "schwer löslich, geringe Toxizität"). In ihrem Papier, das beim Caracal-Treffen im November erörtert wurde, wirft sie drei Fragen auf und bittet die Beteiligten, insbesondere die Mitgliedstaaten, um ihre Meinung.

Was ist das Ergebnis des jüngsten Caracal-Treffens?

Leroy: Es haben sich genug Mitgliedstaaten zu Wort gemeldet, um die Ungewöhnlichkeit dieses Dossiers hervorzuheben sowie den Bedarf, ausreichend Zeit für eine angemessene Diskussion zu lassen. Die Europäische Kommission bat um schriftliche Stellungnahmen und wird das Thema beim Caracal-Treffen im März 2018 wieder vorbringen. Die schriftlichen Stellungnahmen, die bis Ende Dezember 2017 eingegangen sind und öffentlich verfügbar sind, bestätigen insgesamt die Besonderheit dieses Dossiers und die Notwendigkeit, in den kommenden Monaten mehr Zeit für die Diskussion zu haben. Wir glauben, dass einige Mitgliedstaaten noch unentschlossen sind, aber angesichts der Reaktionen anderer werden sie dieses Thema nun auch mit besonderer Sorgfalt angehen.

Wie beurteilt die CEPE dieses Ergebnis?

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Didier Leroy

Technical Director CEPE

Leroy: Die CEPE geht davon aus, dass es immer noch eine Chance gibt, die Frage zu erörtern, die wir in unserem Brief an die Kommission vom Mai 2017 aufgeworfen haben, ob CLP das richtige Instrument ist, um mit einem solchen Stoff umzugehen. Manche Mitgliedstaaten glauben, dass CLP tatsächlich nicht das geeignete Instrument zur Regulierung einer solchen "Staubwirkung" beim Einatmen sein könnte. Andere stellen das Prinzip, dass die RAC-Stellungnahme ohne neue wissenschaftliche Erkenntnisse nicht widerlegt werden kann, nicht in Frage, verstehen aber die negativen Folgen, die der Fall TiO2 nach sich ziehen kann und würden die Auswirkungen gern mindern. Bislang haben wir jedoch noch von niemandem einen praktikablen Vorschlag gehört, wie eine Ausnahme oder Abweichung gestaltet werden könnte: sei dies in Form eines besonderen Hinweises im Eintrag in Anhang VI oder durch die CLP-Artikel, die die Kommission in ihrem beim Caracal-Treffen im November vorgelegten Papier angesprochen hat. Wir möchten weitere Gespräche mit ihnen. Kein Mitgliedstaat hat beantragt, dass der Fall überhaupt nicht diskutiert werden solle.

Das Ergebnis des Caracal-Treffens im November hat eine gute Dynamik entwickelt. Wir glauben, dass die meisten Mitgliedstaaten sich jetzt ernsthaft mit diesem Dossier und den verschiedenen negativen Konsequenzen beschäftigen, die die Einstufung für CLP, andere gesetzliche Regelungen und andere PSLT-Stoffe hätte. An diesem Punkt ist es schwierig, vorherzusagen, ob TiO2 überhaupt nicht eingestuft wird, weil es einen solchen Fall vorher noch nicht gegeben hat und die Entscheidung, in Betracht zu ziehen, dass CLP möglicherweise kein geeignetes Instrument ist, an diesem Punkt des CLH-Verfahrens keine leichte ist. Möglicherweise sind weitere Daten, Erkenntnisse und Gespräche nach dem Caracal-Treffen im März 2018 notwendig.

Wie reagiert die CEPE?

Leroy: Die CEPE steht im aktiven Austausch mit den zuständigen Behörden, um diese negativen Konsequenzen zu erläutern und klar zu machen, dass hier ein Präzedenzfall geschaffen werden könnte. Wir glauben, dass TiO2 eine Einstufung nicht verdient, weil durch die vorgeschlagene gefahrenbasierte Einstufung die menschliche Gesundheit nicht besser geschützt würde. Andererseits würde sie Verwirrung stiften, der Gesetzgebung selbst schaden und nachgelagerte Folgen für andere nach sich ziehen. Der aktuelle Vorschlag beruht nicht auf belastbaren Beweisen, wie der RAC-Stellungnahme entnommen werden kann. Die Bewertung des Dossiers im Rahmen des fortlaufenden Aktionsplans der Gemeinschaft, CoRAP (Community Rolling Action Plan) beginnt 2018 und die REACH-Registranten haben zugesagt, alle relevanten offenen Fragen zu beantworten.

Wenn neue Studien verfügbar werden, um die inhärente Gefahr zu klären,

  • wenn geklärt wurde, welche Relevanz die Frage der übermäßigen Staubbelastung der Lunge von Ratten hat,
  • wenn die CLP-Leitlinien überarbeitet worden sind, um Klarheit in dieser immer noch offenen Angelegenheit zu schaffen und
  • wenn die Risikobeurteilung aller möglichen Expositionswege die sichere Verwendung bestätigt,
  • dann werden die Regulierungsbehörden in einer besseren Position sein, um zu entscheiden, ob TiO2 reguliert werden sollte, und wenn ja, wie.

Das Interview führte Kirsten Wrede.

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