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11. Feb 2020 // Rohstoffe

Internationaler Branchentreff Titandioxid

Gut 60 Experten der Lackindustrie  trafen sich kürzlich in Berlin zum zweiten European Coatings Titanium Dioxide Forum, um über neue technische Entwicklungen und natürlich auch die EU-Klassifizierung von Titandioxid zu diskutieren.

Andy White

Andy White von der Firma FP-Pigments redete über den optimalen Abstand zwischen Titandioxidpigmenten. (Foto: Jan Gesthuizen)

Überraschend ruhig nahmen die Teilnehmer der Konferenz die Erläuterungen zum aktuellen Stand des Einstufungsprozesses von Titandioxid von Aline Rommert vom VdL auf. Eine große Sorge, die sie dabei äußerte, war der Dominoeffekt, der nun drohe. Nach Titandioxid wäre es wahrscheinlich, dass weitere pulverförmige Substanzen in den Fokus geraten könnten. Obwohl die Einschätzung Rommerts von den anwesenden Branchenteilnehmern weitestgehend geteilt wurden, waren die Reaktionen auch abseits des Vortrags erstaunlich gelassen.  

Diskussion um Titandioxid in der Lackindustrie

Tatsächlich war der Umgang mit der Einstufungsthematik eher pragmatischer Natur, wie etwa in den anberaumten Diskussionsrunden. So arbeiteten einige Teilnehmer darüber, welche Möglichkeiten es gibt, verbesserte Titandioxidformulierungen für die Zukunft zu erarbeiten. Die von Anabelle Elton-Legrix moderierte Gruppe befasste sich mit der Frage, wie es möglich sei Farben mit unter 1 % Titandioxid zu formulieren. Elton-Legrix hatte zuvor selbst in einem Vortrag dargelegt, was Beschichtungen ohne Titandioxid, oder zumindest mit sehr geringem Anteil davon, leisten können. Grundsätzlich war man sich in der Diskussionsgruppe einig, dass dies schwer werden dürfte - vor allem für Tinten und Farben mit niedriger PVC. Echte Alternativen zu Titandioxid sahen die Teilnehmer im Grunde nicht, da zum Beispiel potentielle Ersatzsubstanzen gesundheitsschädigend sein würden.

Zwar sei es hier und da möglich, auf Titandioxid zu verzichten, allerdings leide das Deckvermögen der noch feuchten Farbe zu stark, was die Applikation sehr schwer mache. Eine Möglichkeit, die dazu diskutiert wurde, waren Lufteinschlüsse, die mit strukturierten Materialien unterstützt werden könnten.

Farben werden Umweltsiegel verlieren

Eine weitere Diskussionsgruppe befasste sich mit der Zukunft von TiO2 als Pigment in der Lackindustrie. Hier wurde ebenfalls die Einstufung angesprochen. Tatsächlich sahen hier Teilnehmer weniger die eigentliche Kennzeichnung von Titandioxid als größten Einschnitt. Vielmehr würden viele Farben nun keine Umweltsiegel mehr erhalten, was problematischer gesehen wurde. Dass es zur Einstufung von Titandioxid gekommen ist, wurde auch weniger einzelnen Politikern angekreidet. Vielmehr sei die Beratung der Entscheidungsträger verbesserungsfähig. So hatten größere soziökonomische Argumente keine ausreichende Rolle gespielt.

Technische Innovationen weiter wichtig

Abseits von politischen und regulatorischen Themen überwogen aber die klassischen technischen Themen rund um Innovationen. So beschrieb etwa Andy White von der Firma FP-Pigments, wie wichtig der optimale Abstand zwischen den Titandioxidpigmenten ist, um eine optimale Lichtstreuung zu erhalten und damit das maximale Deckvermögen der Farbe sicher zu stellen.

White stellte auch gleich ein Pigment vor, dass aus hochreinem Calciumcarbonat besteht und an welches mehrere Titandioxidpigmente in einem optimalen Abstand fest gebunden sind. Dieses funktionelle Pigment soll so die Effizienz bei der Formulierung erhöhen.

Ebenfalls ein großes Thema war das Thema Nachhaltigkeit. Gleich mehrere Vorträge aus der Rohstoffindustrie warteten mit CO2-Bilanzen oder Lebenszyklusanalysen auf. Von Seiten der Farben- und Lackhersteller werden diese Kennzahlen bisher aber wohl nur sehr selten nachgefragt. Hier ist noch Luft nach oben.

Jan Gesthuizen

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