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17. Dez 2018 // Markt & Branche

Handel mit England: Zwischen den Zeilen

Zwar sind sich die britische und deutsche Kultur recht ähnlich, jedoch gibt es gerade im Kommunikationsverhalten große Unterschiede. Sarah Silva, selbst Engländerin und Autorin des Buches "Small Island – Big Business" gibt Tipps für den Erfolg mit britischen Geschäftspartnern.

Zwar sind sich die britische und deutsche Kultur recht ähnlich, jedoch gibt es gerade im Kommunikationsverhalten große Unterschiede. Bildquelle: SG-design - Adobe Stock

Worin unterscheiden sich Ihrer Meinung nach Deutsche und Briten im geschäftlichen Umgang am meisten?

Sarah Silva: Ich glaube, die Deutschen sind stärker auf Details bedacht und etwas vorsichtiger als die Briten, die sich zunächst auf das große Ganze konzentrieren und erst später um die Details kümmern. In Deutschland habe ich festgestellt, dass konstruktive Kritik als Feedback begrüßt wird und Probleme offen angesprochen werden. In Großbritannien wird dies zwar im Rahmen der kontinuierlichen Weiterentwicklung unterstützt, kommt aber wesentlich besser an, wenn die Kritik etwas abgemildert wird. Die Grenzen zwischen Geschäfts- und Privatleben sind in Großbritannien fließender und die Unternehmenshierarchien sind dort nach meinem Empfinden flacher. Es ist dort gang und gebe, seinen Geschäftsführer mit Vornamen anzusprechen – etwas, das in Deutschland nicht immer angemessen ist.

Welche Ratschläge würden Sie Unternehmen geben, die vorhaben, nach Großbritannien zu exportieren?

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Sarah Silva,

Inhaberin von Chemical Translator

Silva: Stellen Sie alles, was ein potenzieller Kunde für die Entscheidungsfindung braucht, in Englisch auf muttersprachlichem Niveau zur Verfügung. Obwohl viele Briten eine andere Sprache fließend sprechen, beherrscht die Mehrheit keine Fremdsprache gut genug, um bedenkenlos ein hochwertiges Produkt oder einen Service ohne ausreichende Informationen und Unterstützung in ihrer Muttersprache zu kaufen. Versuchen Sie, die Nachricht zwischen den Zeilen zu lesen. Was für Briten eine Frage der Höflichkeit ist, führt bei allen anderen häufig zu Verwirrung – Kritik wird zwischen positiven Bemerkungen verpackt oder so stark abgemildert, dass es manchmal schwierig ist, das Problem zu erkennen. Wenn Sie das Gefühl haben, dass etwas nicht stimmt, bitten Sie um Klarstellung. Mein letzter Punkt schließlich hat sich in allen internationalen Geschäftsbeziehungen bewährt: Konzentrieren Sie sich vor allem auf die Ergebnisse und Vorteile für Ihren potenziellen Kunden. Im internationalen Geschäftsleben wird es immer Herausforderungen geben (die offensichtlichste ist zurzeit der Brexit), aber wenn die Zusammenarbeit mit Ihnen einen klaren Vorteil bringt, lassen sich die Herausforderungen überwinden.

Der Brexit wird offensichtlich neue gesetzliche Grundlagen für Geschäfte zwischen Großbritannien und dem Rest Europas schaffen. Aber glauben Sie, dass es auch Auswirkungen auf der persönlichen Ebene geben wird?

Silva: Leider hat der Brexit bereits Auswirkungen auf der persönlichen Ebene. Ich kenne viele EU-Bürger, die in Großbritannien leben und in ihr Herkunftsland zurückkehren, und viele im Ausland lebende britische Kollegen, die jetzt die Staatsbürgerschaft eines EU-Landes beantragen. Die Unsicherheit macht es jedoch unmöglich, die Auswirkungen des Brexit auf irgendetwas genau vorherzusagen!

Lesetipp zum Thema
Weitere Tipps und Beobachtungen zu Geschäftsbeziehungen mit Großbritannien teilt Sarah Silva in ihrem Buch "Small Island – Big Business. The Insider‘s Guide to Success in the British Market".

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