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12. Jun 2017 // Markt & Branche

ECHA schlägt Gefahreneinstufung von Titandioxid vor

Der Ausschuss für Risikobeurteilung (RAC) der Europäischen Chemikalienbehörde ECHA hat am Donnerstag empfohlen, das Weißpigment Titandioxid als einen Stoff "mit Verdacht auf krebserzeugende Wirkung beim Menschen" durch Einatmen einzustufen.

95% der RAL-Farbtöne werden mit Titandioxid hergestellt. Quelle: Syda Productions/Fotolia.com

Die Farbenindustrie kritisiert diese Empfehlung zu Titandioxid. In einer ersten Stellungnahme zeigt sich die Branche bestürzt über diese Empfehlung: "Ohne ausreichende wissenschaftliche Grundlage wird hier einer der wichtigsten Rohstoffe unserer Industrie zu Unrecht stigmatisiert. Titandioxid wird seit Jahrzehnten erfolgreich und sicher für die Produktion von Lacken, Farben und Druckfarben eingesetzt – für uns ist Titandioxid schlicht unverzichtbar", begründet Dr. Martin Engelmann, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der deutschen Lack- und Druckfarbenindustrie (VdL), die Kritik an der Empfehlung.

Die Farbenindustrie ist mit einem Anteil von 57 % der Hauptabnehmer von Titandioxid. Das Weißpigment ist der mit Abstand wichtigste Rohstoff dieser Industrie und in den meisten Farben enthalten. Gleichwertige Alternativen gibt es nicht: Pigmente wie Calciumcarbonat, Zinkoxid, Zinksulfid und Bariumsulfat haben technisch und coloristisch schlechtere Eigenschaften, beispielsweise hinsichtlich Deckkraft und Witterungsbeständigkeit.

Eine Gefahrenkennzeichnung für Farben ist irreführend

Hintergrund für die Ausschuss-Empfehlung ist die Befürchtung, dass Arbeiter an Lungenkrebs erkranken könnten, wenn sie bei der industriellen Herstellung und Verarbeitung Staubemissionen u.a. von Titandioxid ausgesetzt sind. "Titandioxid wird Farben als Pigment zugegeben und ist danach fest in die Bindemittel-Matrix eingebunden. Es kann daher gar nicht eingeatmet werden. Eine Gefahrenkennzeichnung für Farben ist daher nicht nur sinnlos, sondern auch irreführend für den Verwender", erläutert Engelmann.

Um Arbeitnehmer vor Staub-Erkrankungen zu schützen, hätten die meisten EU-Mitgliedsstaaten bereits Staubgrenzwerte am Arbeitsplatz eingeführt, erklärt er weiter. Deutschland sei hier international Vorreiter. Zudem hätten Untersuchungen über mehrere Jahrzehnte hinweg an circa 24.000 Arbeitern in 18 Titandioxid-Fabriken, u.a. in Deutschland, keine negativen Auswirkungen von Titandioxid auf die Gesundheit festgestellt.

Einstufung würde erheblichen Druck auf Hersteller ausüben

Eine Einstufung von Titandioxid würde erheblichen Druck auf die Hersteller ausüben, ihre Farbrezepturen zu verändern. So sind beispielsweise 95% der RAL-Farbtöne mit Titandioxid hergestellt. Die allermeisten Hersteller von Farben und Lacken sind mittelständische Unternehmen, die keine eigenen Forschungs- und Entwicklungsabteilungen haben und die deshalb eine solche umfassende Rezepturänderung nicht durchführen können. Ihr Überleben am Markt wäre akut gefährdet.

"Das Einstufungsverfahren führt schon jetzt zu einer großen Verunsicherung in vielen Industriebranchen und deren Abnehmern. Wir fordern von der Politik, dass sie bei der Entscheidungsfindung auf EU-Ebene die wissenschaftliche Begründung des Vorschlags kritisch überprüft und die wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen einer Einstufung im Blick behält", erklärt Engelmann.

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