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Freitag, 14. Dezember 2018
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Wissenschaft & Technik

„Die Nutzung nachwachsender Rohstoffe wird weiterhin zunehmen“

Montag, 12. Februar 2018

Dr. Toine Biemans sieht eine positive Entwicklung bei nachwachsenden Rohstoffen in der Lackindustrie. Farbe und Lack sprach mit dem Leiter Forschung und Entwicklung bei Worlée-Chemie über bestehende Herausforderungen und wie Konflikte mit der Nahrungsmittelproduktion vermieden werden können.

"Die Nutzung nachwachsender Rohstoffe in Bindemitteln für die Lackindustrie wird weiterhin zunehmen". Bild: malp-Fotolia

"Die Nutzung nachwachsender Rohstoffe in Bindemitteln für die Lackindustrie wird weiterhin zunehmen". Bild: malp-Fotolia

Wo sehen Sie Trends bei nachhaltigen Rohstoffen für Lacke?

Dr. Toine Biemans: Wir glauben, dass die Nutzung nachwachsender Rohstoffe in Bindemitteln für die Lackindustrie weiterhin zunehmen wird. Einerseits werden mehr neue nachwachsende Rohstoffe verfügbar und gleichzeitig nimmt die institutionelle Forschung zur Nutzung dieser Rohstoffe an Fahrt auf. Dies ist eine willkommene und nahezu notwendige Entwicklung für die Industrie, da viele dieser Materialien keine direkt austauschbaren Alternativen sind. Vielmehr handelt es sich um neue Moleküle (für unsere Industrie) mit anderen Eigenschaften und einem anderen Verhalten, die untersucht werden müssen. Um diese neuen Rohstoffe erfolgreich kommerziell anbieten zu können, muss eine Wertschöpfungskette aufgebaut werden. Meine Industrie hätte eine Verwendung für diese Rohstoffe, aber der regelmäßige Nachschub der biologischen Ausgangsmaterialien sowie die industrielle Verarbeitung in den nachwachsenden Rohstoff müssen gesichert sein. Wenn diese Aspekte eingerichtet sind und funktionieren, sollte man die Preisfrage, die dem kommerziellen Erfolg derzeit häufig im Weg steht, den Skaleneffekten überlassen.

Bei der Nutzung nachwachsender Ressourcen kann die Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion zu einem Problem werden. Welche Ansätze gibt es, um dieses Problem zu vermeiden?

Biemans: Wir kennen mindestens zwei Methoden, wie wir dieses Problem umgehen können. Zum einen können wir das Ackerland für den Anbau von Industriepflanzen nutzen, wenn es nicht für die Nahrungsmittelerzeugung genutzt wird. Es gibt die sogenannten Brachzeiten, die Zeiten zwischen zwei Anbaukulturen, die lang genug für den Anbau einer anderen Kultur sein können. Eine zweite Möglichkeit sind Mischkulturen. Dabei werden zwei miteinander verträgliche Kulturpflanzen, von denen eine der Nahrungsmittelerzeugung und die andere der industriellen Nutzung dient, vollständig gemischt auf demselben Land angebaut. Die Kulturen können so ausgewählt werden, dass sich zusätzliche Umweltvorteile ergeben, wie zum Beispiel ein verringerter Einsatz von Pestiziden.

Wir haben diese beiden Techniken selbst erfolgreich getestet und haben nun eine Route kommerziell verfügbar gemacht und eine Wertschöpfungskette aufgebaut. Dazu haben wir mit regionalen Landwirten gesprochen, wir nutzen eine örtliche Ölmühle und haben einen gleichgesinnten Kunden mit an Bord geholt.

Was sind die Hauptvor- und -nachteile dieser beiden Ansätze?

Biemans: Die Vorteile liegen bei dem ersten Weg, dem "Anbau auf Lücke" in einem einfacheren Anbau sowie darin, dass weitere Abläufe nicht gestört werden. Zu den Nachteilen zählt, dass keine Synergien genutzt werden – so kommt es bei dem Mehrfruchtanbau zu weniger Unkraut -somit muss auch weniger gespritzt werden.

Die Herangehensweise mit Mischkulturen hat den Vorteil, dass eine Erntelücke bleibt und sich so das Ackerland erholen kann. Ein weiterer nachteiliger Faktor ist, dass das Saatgut getrennt werden muss.

Was sind, abgesehen von den Kosten die wesentlichen Herausforderungen bei der Verwendung nachwachsender Rohstoffe für Lacke?

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Dr. Toine Biemans, Worlée-Chemie

Biemans: Die hauptsächliche Herausforderung wird es sein, bestehende Produkte auf petrochemischer Basis in Produkte auf der Basis nachwachsender Rohstoffe mit den gleichen Anwendungseigenschaften umzuwandeln. Solange es keine hundertprozentig gleichartigen nachwachsenden Rohstoffe gibt, müssen wir mit anderen Eigenschaften rechnen. Um das Endprodukt so anzupassen, dass der Kunde es eins zu eins austauschen kann, ist ein detailliertes Wissen über die Komponenten auf Biobasis und darüber, wie sie die gewünschten und erforderlichen Eigenschaften beeinflussen, notwendig.

Hierbei hängen wir sehr stark von der institutionellen Forschung ab, die an vielen ausgezeichneten Universitäten durchgeführt wird. Dennoch wäre es äußerst hilfreich, wenn die entsprechenden Regierungen ausreichend Fördermittel für Forschungsprogramme bereitstellen würden, die eine akademisch-industrielle Zusammenarbeit unterstützen, – insbesondere für die vielen größeren der mittelgroßen Unternehmen, die möglicherweise nicht mehr unter die Definition von KMU fallen, aber zu klein sind, um solche Forschung selbst finanzieren zu können. Hierin liegt ein gewaltiges Innovationspotenzial.

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