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Mittwoch, 18. September 2019
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Wissenschaft & Technik, Anwendungsbereiche, Automobillacke

Umweltfreundlicher Autolack aus Maisstärke repariert Kratzer von selbst

Dienstag, 31. Mai 2016

Ein neuer Autolack soll Abhilfe gegen kleine Kratzer schaffen: Aus Maisstärke gefertigt ist er in der Lage, wegen der besonderen Anordnung seiner Moleküle kleine Kratzer selbst zu reparieren.

Umweltfreundliche, ringförmige Cyclodextrine aus Maisstärke (grau) bilden die Grundlage des Autolacks, der Kratzer von selbst repariert. Quelle: Universität des Saarlandes
Umweltfreundliche, ringförmige Cyclodextrine aus Maisstärke (grau) bilden die Grundlage des Autolacks, der Kratzer von selbst repariert. Quelle: Un...

Die Vernetzung über ringförmige Moleküle macht das Material beweglich, sodass es die Kratzer auffüllt und diese wieder verschwinden. Den neuartigen Lack entwickeln Wissenschaftler der Universität des Saarlandes und des INM – Leibniz-Institut für Neue Materialien gemeinsam.

Netzwerk ist elastisch wie ein Strumpf

Für die netzartige Struktur der neuen Lacke verwenden die Wissenschaftler ringförmige Abkömmlinge der Maisstärke, sogenannte Cyclodextrine. Diese fädeln sie wie Perlen auf mikroskopische Kunststofffäden auf. In den so entstehenden sogenannten Polyrotaxanen sind die Perlen auf dem Faden frei beweglich, und werden durch sperrige Stoppermoleküle am Abfädeln gehindert. Über eine chemische Reaktion werden die Fäden anschließend über die Perlen miteinander vernetzt. "Das entstehende Netzwerk ist beweglich und elastisch wie ein Strumpf", erklärt Gerhard Wenz, Professor für Organische Makromolekulare Chemie an der Universität des Saarlandes. Nach einem oberflächlichen Lackkratzer kleidet das Material die Lücke wieder aus und der Kratzer verschwindet binnen weniger Tage.

Grundprinzip solcher Lacke aus Japan bekannt

"Das Besondere an unserem Ansatz ist die gute Umweltverträglichkeit", betont Professor Wenz. "Die Cyclodextrine sind ein Naturmaterial, welches bereits industriell aus Maisstärke gewonnen wird. Wir wollen die chemischen Reaktionen nur in Lösemitteln durchführen, die unbedenklich für die Gesundheit sind." Zwar sei das Grundprinzip solcher Lacke schon aus Japan bekannt – sie ließen sich jedoch bislang nur mit teuren Ausgangsmaterialien und hochgiftigen Lösungsmitteln herstellen. "Unser geplantes Herstellungsverfahren soll schlussendlich ein klimafreundliches Produkt ohne Schadstoffemissionen bereitstellen, das auch von der Kostenseite überzeugt", führt Wenz weiter aus. Für die Anwendung im großen Stil genüge es nicht, kleine Mengen im Labor zu erzeugen. Vielmehr müssen Verfahrenstechniken entwickelt werden, mit denen sich die Lacke in einer Pilotanlage im Kilogrammmaßstab herstellen lassen.

Lacke müssen Ansprüche der Autoindustrie erfüllen

Auch das erfolgreiche Upscaling reicht nicht alleine für eine industrielle Anwendung aus. "Die Lacke müssen die Anforderungen der Automobilindustrie erfüllen. Dazu werden wir umfangreiche Testverfahren durchführen", sagt Carsten Becker-Willinger, Leiter des Programmbereichs Nanomere am INM – Leibniz-Institut für Neue Materialien in Saarbrücken. Neben der Entwicklung wirtschaftlicher Applikationsverfahren, wie die Sprühtechnik über Roboter, sind umfangreiche Verkratzungs-, Klima- und Bewitterungstests geplant. Sie sollen den Beweis erbringen, dass die Lacke im Sinne der Automobilhersteller einsetzbar sind und die Kratzer auch wirklich innerhalb weniger Tage ausheilen. Bei all diesen Testreihen werden die üblichen ISO-Richtlinien der Lackindustrie berücksichtigt. "Nur wenn wir diese Normrichtlinien erfüllen, ist eine industrielle Anwendung denkbar", fasst der Saarbrücker Forscher die geplanten Aktivitäten zusammen.

Hintergrund

Das Forschungsprojekt "Selbstheilende Fahrzeuglacke auf Basis von Cyclodextrin-Polyrotaxanen" wird im Rahmen der Fördermaßnahme VIP+ mit insgesamt 1,1.Mio. EUR für drei Jahre vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. Die Fördermaßnahme "VIP+ – Validierung des technologischen und gesellschaftlichen Innovationspotenzials" hat sich zum Ziel gesetzt, die Lücke zwischen ersten Ergebnissen aus der Grundlagenforschung und einer möglichen Anwendung zu schließen. Mit VIP+ werden Forschungs- und Entwicklungsarbeiten in Vorhaben von bis zu drei Jahren mit bis zu 1,5 Mio. EUR gefördert.

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