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Donnerstag, 12. Dezember 2019

BLOG: Wenn Alltägliches zum Risiko wird

Dienstag, 30. Juli 2013 | Veröffentlicht von: Michael Bross, VdL e.V.

Man kann trefflich darüber streiten, warum die deutsche Gesellschaft zunehmend risikoscheu wird. Was früher als Gefahr des normalen Alltagslebens achselzuckend hingenommen wurde, ist heute Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen oder parlamentarischer Debatten. Jede neue Technologie zieht sofort einen Schwarm von Skeptikern an.

Der Risikopapst U. Beck hat in einer seiner Schriften gefordert, dass sich die Gesellschaft mit dem größten vorstellbaren Katastrophenfall auseinandersetzen müsste, wenn man Vorsorge wahrlich ernst nehmen wolle. Das Vorsorgeprinzip verlange förmlich danach, sich auf den maximal denkbaren Unfall oder Wahnsinn einzustellen, um adäquate Vorkehrungen zu treffen. Man darf prinzipiell bezweifeln, dass ein solcher Mega-Super-GAU überhaupt definiert werden kann. Jedes irrwitzige Untergangsszenario stachelt andere Apokalyptiker dazu an, das undenkbare Desaster durch die völlig undenkbare Katastrophe zu übertreffen. Die Forderung, sich auf den ultimativen Wahnsinn einzustellen, widerspricht überdies dem gesunden Menschenverstand und macht – so sie wirklich in aller Konsequenz beherzigt würde – jegliches Zusammenleben zur Folter. Ein ständiger mentaler Alarmzustand, der notwendig wäre, um sich auf die Summe maximaler Risiken einzustellen, ist unmenschlich. Sofern ein solcher Alarmismus gesellschaftlich erzwungen wird, resultiert daraus letztlich eine Geistesverfassung kompletten Misstrauens gegenüber allem und jedem. Im Kleinen kann man an den Allerweltsprodukten studieren, was das bedeutet: In den letzten Jahren wurden gerade Lacke, Farben oder Druckfarben von den Bedenkenträgern als Risikoquellen für Umwelt und Gesundheit erkannt. Echte Probleme wurden – manchmal zugegebener Weise nicht ganz freiwillig – mittlerweile weitgehend beseitigt. Trotzdem befassen wir uns gegenwärtig fast mehr mit den Kollateralschäden der Industriegesellschaft und ihrer Erzeugnisse als mit dem Nutzen, den die Güter stiften. Lacke, Farben und Druckfarben schützen, verschönen und informieren – das ist ihr originärer Zweck, daraus leitet sich ihre Daseinsberechtigung her. Und die der Unternehmen, die solche Materialien herstellen. Es wird höchste Zeit, wieder über die Leistungen der Produkte zu sprechen und welche Lösungen wir von ihnen in Zukunft erwarten, statt immer nur über die Risiken möglicher Nebenwirkungen zu spekulieren.

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