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Sonntag, 25. August 2019

Alte Zöpfe…

Donnerstag, 02. September 2010 | Veröffentlicht von: Dr. Dietmar Eichstädt, Verband der deutschen Lack- und Druckfarbenindustrie e.V.

… abzuschneiden oder sich von liebgewordenen Dingen zu trennen, ist nicht leicht. Dies gilt auch und ganz besonders für den politischen Bereich – als Beispiel sei nur die Sektsteuer genannt, die zur Finanzierung der kaiserlichen Kriegsmarine eingeführt wurde und seit über 100 Jahren Bestand hat.

Auch im industriellen Bereich gibt es solche liebgewordenen Selbstverständlichkeiten. Hier ist etwa die Initiative Responsible Care zu nennen, die 1985 in Kanada ins Leben gerufen und schnell von Europa übernommen wurde. Allerdings waren und sind die Gegebenheiten in Amerika und Europa gänzlich verschieden: Im Gegensatz zu den USA und Kanada gibt es in der EU ein engmaschiges Netz gesetzlicher Regelungen für die Bereiche Umweltschutz, Sicherheit und Gesundheitsschutz. Die sehr restriktiven Vorschriften in Europa lassen praktisch keinen Spielraum für darüber hinaus gehende eigene Initiativen der Industrie. Und wenn die Industrie doch mal eine Lücke findet, wo man mehr tun kann, als die Gesetze es verlangen, wird ganz schnell eine Vorschrift erlassen, die diese Gesetzeslücke schließt.
Zudem sind zumindest in Deutschland freiwillige Selbstverpflichtungen der Industrie von der Öffentlichkeit häufig als anrüchig empfunden worden, sodass dieses Instrument heutzutage nur noch wenige Befürworter findet.
Andererseits stellt die jährliche Berichterstattung für Responsible Care eine hohe bürokratische Belastung insbesondere für kleine und mittelständische Unternehmen dar. Selbstverständlich unternehmen die Firmen alle Anstrengungen, um Emissionen in die Umwelt oder das Abfallaufkommen zu minimieren. Aber das tun die Firmen auch, ohne an ein Berichtswesen gebunden zu sein.
Die Zeit ist über die Initiative Responsible Care hinweg gegangen. Wenn diese Initiative nicht gänzlich umgestaltet und neu belebt wird, sollte man in der Industrie, in der Politik und bei den Behörden den Mut haben, diesen alten Zopf abzuschneiden und die Initiative zu beenden.

Dr. Dietmar Eichstädt
Hauptgeschäftsführer im Verband der deutschen Lack- und Druckfarbenindustrie e. V.

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