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Montag, 30. November 2020
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Markt & Branche, Unternehmen und Märkte

Interview: „Aktuell ist das Thema Kosten noch stärker im Fokus, als es vorher der Fall war“

Montag, 09. November 2020

Der Druckfarbenhersteller Hubergroup stellt sich neu auf und unterteilt das Geschäft in zwei Divisionen: Print Solutions und Chemicals. Taner Bicer, President Chemicals Division, spricht über die Hintergründe und Ziele der Diversifizierung.

Interview: "Aktuell ist das Thema Kosten noch stärker im Fokus, als es vorher der Fall war". Bildquelle: marog-pixcells- Fotolia.com

Interview: "Aktuell ist das Thema Kosten noch stärker im Fokus, als es vorher der Fall war". Bildquelle: marog-pixcells- Fotolia.com

Was sind die Hintergründe für die Schaffung der neuen Sparte?

Taner Bicer: Für unsere strategische Ausrichtung haben wir alle unsere Anwendungsfelder auf den Prüfstand gestellt. Dabei erörterten wir den Reifegrad und die Vollständigkeit unserer Technologien und mit welchen Entwicklungsthemen wir uns beschäftigen wollen. Darauf basierend haben wir eine ganz klar aufgeteilte Strategie abgeleitet, in der wir definierten welche Geschäftsfelder wir langfristig strategisch weiterverfolgen wollen. Hier kam es auch zu der Entscheidung uns mit der Diversifizierung zu beschäftigen.

Dies war jedoch ein längerer Prozess, da wir zuerst das Ziel hatten ein vollständiges Druckfarbenportfolio aufzubauen, bevor wir die Diversifizierung vorantreiben wollten. Viele Anwendungen in der Druckfarbensparte sind rückläufig und wir mussten dies mit einer anderen Division kompensieren.

Ist das Kompensieren rückläufiger Geschäfte im Druckfarbenbereich ein Grund gewesen?

Bicer: Weboffset, Heatset und Coldset waren ja auch schon vor der Coronakrise rückläufig. Aber in manchen Bereichen, etwa im Coldset, konnten wir in einigen Märkten sogar wachsen. Die Corona-Krise ist einfach eine Beschleunigung, insbesondere der Akzidenzdruck für alle Sheetfed und UV-Sheetfed ist in eine dramatische Region gekommen. Hier erwarten wir auch keine Erholung auf vor Covid 19-Level. Bei Verpackungen sind wir aber weiter auf Kurs. Aber einige Schäden, die es jetzt im Markt gegeben hat, sind irreversibel.

Einerseits sehen wir viele attraktive Möglichkeiten, aber wir müssen uns mit unserem Angebot auch gegen etablierte Wettbewerber im Markt behaupten. Wir sehen aber unseren Vorteil darin, dass wir schon intern nach dem Kunden-Lieferantenverhältnis gearbeitet haben. Sofern wir weiterhin angemessen schnell auf Anfragen mit Lösungen reagieren, wird uns das ebenso in die Karten spielen.

In der Branche konnte man jüngst den Trend zur Fokussierung anstatt zur Diversifizierung beobachten. Weshalb setzen Sie auf Letzteres?

Taner_Bicer_Huber Group_07_2020

Taner Bicer,

President Chemicals Division, Hubergroup

Bicer: Eine wirklich neue Sparte haben wir nicht gegründet. Die Infrastruktur ist gegeben und wir haben schon über längere Zeit als Schnittstelle im Unternehmen gedient. Mit der jetzigen Sparte Print Solutions und uns hatten wir intern bereits ein klassisches Kunden-Lieferantenverhältnis. Dieses über die Jahre aufgebaute Know-how und diesen Service werden wir jetzt auch Wettbewerbern anbieten. Daher liegt unser anfänglicher Fokus auf der Druckfarben- und Verpackungsbranche. Wir treten hier jedoch als eigenständige Division auf, das ist sehr wichtig. Wir sehen auch keine Gefahr in diesem Geschäftsmodell, denn unsere Kunden werden die Rohstoffe in ihre existierenden Formulierungsphilosophien einbinden. Und für die Hubergroup entsteht ein zweites Standbein.

Die Diversifizierung ist ein Teil unserer gesamten Wertschöpfungskette, aus der wir weiteres Potenzial schöpfen wollen. Wenn wir unsere rückwärtsintegrierte Aufstellung aufgeben würden und sämtliche Rohstoffe extern zukaufen müssten, wären wir noch größerem Kostendruck ausgesetzt. Diese Aufstellung lässt uns weiteres Potenzial heben. Aus manchen Rohstoffen wird nicht nur Druckfarbe hergestellt, sondern wir können ohne erheblichen Mehraufwand diese Rohstoffe vermarkten. Es ist eine Chance, die sich durch die Corona-Krise noch vergrößert hat. Mit diesem Ansatz sind wir zuversichtlich, dass wir sowohl uns und anderen in der Branche helfen können.  

Weshalb haben Sie diesen Schritt in der ­Coronak-Krise gewagt?

Bicer: Die Situation mit der Corona-Krise konnte niemand erahnen. Wir haben uns dennoch dazu entschieden diesen Schritt der Diversifizierung nicht zu verschieben. Aktuell ist das Thema Kosten noch stärker im Fokus, als es schon immer der Fall war. Wir sind davon überzeugt, dass wir der gesamten Branche mit Kostenreduktionsmaßnahmen helfen können. Unsere Halbfabrikate, zum Beispiel, können prozesstechnisch Kostenoptimierungen ermöglichen und sind somit sicher für den einen oder anderen interessant. Somit können wir uns in der Krise mit unseren Angeboten aussichtsreich positionieren.

An welche Kunden bzw. für welche Anwendungsgebiete wollen Sie die Rohstoffe vermarkten?

Bicer: Wir wollen zuerst an Wettbewerber herantreten, die mit uns arbeiten wollen. Wir kommen als unabhängige Division auf sie zu. Es gibt ein Umdenken in der Branche hin zu Partnerschaften, daraus schöpfen wir Potenziale für unseren Weg. Im zweiten Schritt wollen wir regional, später auch global, mit z.B. Laminationsharzen an Verpackungshersteller herantreten. Die dritte Kategorie ist das Custom Manufacturing. Wir können maßgeschneiderte chemische Vorprodukte zur Weiterverarbeitung entwickeln und produzieren. Somit können wir auch als ein Partner der chemischen Industrie agieren.

Wir haben uns ganz stark auf Polyurethan- und strahlenhärtende Technologie fokussiert, da diese sehr zukunftsträchtig sind. Wir können und werden unser Angebot bedarfsgerecht erweitern. Unsere Produkte können beispielsweise auch in den Bereichen Industrie- und Holzlacke eingesetzt werden.

Dieses Interview führte Damir Gagro.

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