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Donnerstag, 28. Mai 2020
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Markt & Branche

Interview: „Technologisch und marktseitig eine hervorragende Ergänzung“

Montag, 13. Januar 2020

CHT hat Keim Additec Surface (KAS) sowie Produktlinien der ehemaligen Silcona von der Keim Gruppe übernommen und weitet ihr Geschäft mit wasserbasierten Wachsadditiven aus. Wir sprachen mit Dr. Bernd Schenzle, Geschäftsführer der KAS, über Akquisition und Marktsituation.

CHT hat Keim Additec Surface (KAS) sowie Produktlinien der ehemaligen Silcona von der Keim Gruppe übernommen. Bildquelle: Sergey Nivens - Fotolia (Symbolbild)
CHT hat Keim Additec Surface (KAS) sowie Produktlinien der ehemaligen Silcona von der Keim Gruppe übernommen. Bildquelle: Sergey Nivens - Fotolia (...

Die Akquisition bezeichnen Sie als strategisch und kaufmännisch sinnvoll, da sie die CHT Gruppe mit einem guten Zukunftspotential bereichert. Können Sie dieses bitte konkretisieren?

Dr. Bernd Schenzle: Die CHT ist ein Spezialist für Oberflächenchemie. Wir entwickeln Technologien für alle wichtigen Substrate, von textilen und mineralischen Oberflächen über Papier und Leder bis hin zur Glas- oder Carbonfaser. Wachse komplementieren synergistisch das bestehende CHT Technologiespektrum, um maßgeschneiderte Kundenlösungen anzubieten.

Unsere rückwärtsintegrierte Position in der Silikonchemie erhöht die Wettbewerbsposition des "Silco"-Portfolios, insbesondere in den Bereichen Entschäumer, Netz- oder Verlaufsmittel. Vorteile sehen wir aber auch in der Marktbearbeitung. Durch 25 Tochtergesellschaften mit 22 Produktionsstandorten weltweit auf der einen Seite und 32 Keim Additec Surface Vertriebspartnern auf der anderen, können wir erhebliche Synergien heben.

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Dr. Bernd Schenzle, Leiter des Geschäftsfeldes Construction & Assembly und Geschäftsführer Keim Additec Surface

Keim Additec Surface USA war nicht Teil der Transaktion. Wo liegen hierfür die Gründe?

Schenzle: In den USA handelt es sich um eine reine Vertriebsorganisation. Ein Kauf hätte unserer M&A-Strategie widersprochen. Ziel ist es, besondere Fähigkeiten, Technologien oder geistiges Eigentum zu erwerben, um unsere Marktposition zu stärken. Wir werden jedoch diesen etablierten Vertriebskanal weiter vollumfänglich nutzen.

Durch die Übernahme haben Sie Ihr Portfolio um Wachsadditive erweitert. Wie bewerten Sie die derzeitige Lage im Markt für diese Produkte?

Schenzle: Neben der Verpackungsindustrie haben wir wachsende Technologiesegmente wie z. B. Glasfaserbeschichtungen, Trennmittel oder dünne, organische Beschichtungen in der Metallbearbeitung (TOC) und Klebstoffe für uns identifiziert. Wachstumstreiber für den Einsatz wasserbasierter und nachhaltiger Wachsadditive sind die zunehmenden und sich verschärfenden Regularien bezüglich des Lebensmittelkontakts, der biologischen Abbaubarkeit oder der Recyclingfähigkeit.

In der Druckfarbenindustrie, in der diese Wachse ebenso eingesetzt werden, sehen wir aber nicht nur die positive Nachfrage insgesamt, sondern auch zum Beispiel rückläufigen Bedarf im Bereich Publikationsdruck.

Welche Potenziale bzw. Herausforderungen sehen Sie insbesondere bei wasserbasierten und nachhaltigen Wachsadditiven im Markt?

Schenzle: Zunächst helfen wasserbasierte Wachse, aber auch Silikone unseren Kunden bei der Umstellung von lösungsmittel- auf wasserbasierte Technologien. Dadurch verringert sich der Carbon Footprint eines Produktes signifikant.

Ferner gewinnen Additive basierend auf nachhaltigen Rohstoffen weiter an Bedeutung. Daher wächst der Wunsch nach Umstellung von synthetischen auf natürliche Wachse. Herausforderungen sehen wir einige. Zum einen ist die gesellschaftliche Nachfrage nach lösungsmittelfreien Technologien in zahlreichen Regionen der Welt noch nicht vergleichbar wie in Europa. Zum anderen ist die Verfügbarkeit von natürlichen Rohstoffen zu nennen. Die Leistungsfähigkeit gegenüber synthetisch hergestellten Rohstoffen zählt ebenso dazu. Zusätzlich sind bisher nur wenige Kunden bereit für ein Produkt, das zwar auf nachwachsenden Rohstoffen basiert aber dieselbe Leistung bringt, höhere Preise zu bezahlen. Die Akzeptanz der höheren Kosten ist noch eine deutliche Hürde. Es bewegt sich zwar etwas in diese Richtung, aber bislang in zu kleinen Schritten.

Sie stärken Ihre Präsenz ebenso im Bereich der Druckfarbenindustrie. Wie bewerten Sie die Potenziale in diesem Industriezweig für sich?

Schenzle: Durch die Übernahme der Keim Additec Surface erreichen wir die Markt- und Technologieführerschaft im Bereich wasserbasierter Wachsadditive für Überdrucklacke und Druckfarben. Außerhalb Europas, insbesondere in Asien, erwarten wir ein überproportionales Wachstum. Wir sehen sehr gute Potenziale für uns insbesondere im Bereich Verpackungsanwendungen. Markenartikler oder Handelsunternehmen verpflichten sich zunehmend zu nachhaltigen Zielen oder sind sogar dabei eigene Nachhaltigkeits-Kennzeichnungen einzuführen. Die Idee der Kreislaufwirtschaft oder Ressourcenschonung sind als Megatrend in der breiten Gesellschaft angekommen.

Durch Verlängerung des Produktlebenszyklus, insbesondere durch Oberflächenschutz oder Oberflächenfunktionalisierung, wie Abriebfestigkeit oder Kratzfestigkeit, können Wachse aber auch Silikone einen deutlichen Mehrwert bieten. Als Beispiel kann der Ersatz für PE-Laminat durch Papier mit wachsbasierter Barrierebeschichtung für Kaffee-To-Go-Becher genannt werden. Dadurch lässt sich ein verbessertes Recyclingverhalten erzielen. Großes Potenzial sehen wir auch im Wachstumssegment Digitaldruckfarben/Digitaldrucksysteme durch Entwicklung geeigneter Additive, wie Wachsadditive, Dispergiermittel und Netzmittel.

Dieses Interview führte Damir Gagro.

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