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Markt & Branche, Unternehmen und Märkte

Nachwachsende Rohstoffe trotzen Ölpreisverfall

Donnerstag, 26. März 2015

Während Rohöl in den vergangenen Monaten deutlich billiger geworden ist, zeigen sich die Preise bei Ölsaaten wie Lein- und Holzöl robust.

Jeder Rohstoff unterliegt seinen eigenen Gesetzmäßigkeiten von Angebot und Nachfrage. Quelle: Thaut Images/Fotolia

Jeder Rohstoff unterliegt seinen eigenen Gesetzmäßigkeiten von Angebot und Nachfrage. Quelle: Thaut Images/Fotolia

Gerade der Bedarf für neue biobasierte Produkte etwa in der Chemie lässt eine steigende Nachfrage erwarten.

Rohöl dominiert Rohstoffmärkte

Rohöl dominiert die Rohstoffmärkte, doch auf die Preise für nachwachsende Agrarrohstoffe hat das nur einen mäßigen Einfluss. Zwar ist Erdöl zur kurzfristigen Lieferung in den letzten sechs Monaten um rund 40 Prozent günstiger geworden. Doch nur einige Agrar-Commodities haben an den Warenterminmärkten die gleiche Richtung eingeschlagen. So hat sich der ohnehin schon tiefe Preis für Zucker, der als Basis für Biokraftstoffe der weltweit wichtigste Alternativrohstoff zum Erdöl ist, seit Jahresbeginn noch einmal um zehn Prozent ermäßigt. Auch der Preis für Sojaöl gab an der Chicagoer Rohstoffbörse CBOT in gleicher Größenordnung auf 28 US-Cent je US-Pfund nach. Doch gerade bei Soja ist der Preisverfall eine Reaktion auf zuletzt üppige Ernten. Die Preise der beiden anderen an den internationalen Warenterminbörsen gehandelten Pflanzenöle, die für die Bio-Kraftstoffproduktion globale Bedeutung haben, zeigen sich dagegen seit Jahresbeginn robust. Während Palmöl Mitte März unverändert notierte, legte Raps um vier Prozent zu.

Lein wegen Ernteausfällen fest

"Jeder Rohstoff unterliegt seinen eigenen Gesetzmäßigkeiten von Angebot und Nachfrage", erklärt Torsten Randt, Geschäftsführer des auf nachwachsende Rohstoffe spezialisierten Handelshauses Mercur Handel GmbH aus Düsseldorf. "Ein gutes Beispiel ist Leinöl." Das aus der Leinpflanze gewonnene Öl ist in der Farben- und Lackindustrie wegen seiner schnell trocknenden Eigenschaften, aber auch in der Bau- und Chemieindustrie gefragt. Hintergrund ist der hohe Anteil mehrfach ungesättigter Fettsäuren, die es neben dem industriellen Einsatz auch für die Ernährung attraktiv machen. Zwar entwickeln sich die Preise für Leinöl- und Sojaöl oft parallel, weil sie in einzelnen technischen Prozessen alternativ einsetzbar sind. Doch anders als Soja präsentiert sich Leinöl aktuell sehr fest. Derzeit müssen Einkäufer etwa 1.050 EUR je Tonne Rohleinöl bezahlen – zehn Prozent mehr als vor Jahresfrist. Hintergrund sind Ernteeinbrüche in Kasachstan. Dort befinden sich noch große Mengen an Lein auf den Feldern. Inwiefern diese nach dem langen Winter noch die vom Markt geforderte Qualität aufweisen, kann derzeit nur spekulativ beantwortet werden. Selbst wenn, wird dieses Leinöl aber kaum vor Juni in Europa ankommen. Da zugleich der zweite große Produzent Russland "ausverkauft" meldet und der Dritte, Kanada, nur vereinzelt und zu hohen Preisen liefert, muss im zweiten Quartal mit einer Fortsetzung der festen Preislage gerechnet werden.

Chemieindustrie schätzt Rizinsuöl als Biorohstoff

Beim Rizinusöl steigt dagegen das Interesse am Anbau. Grund sind die speziellen Produkteigenschaften des nicht für die Ernährung geeigneten Pflanzenöls, die es etwa für die Chemieindustrie als Rohstoff prädestinieren. Anfang des Jahres hat der Essener Chemiekonzern Evonik für Biopolyamide auf Basis von Rizinusöl die Zulassung zur Verarbeitung zu Lebensmittelverpackungen erhalten. Das Unternehmen kündigte an, weitere Märkte für seine Bio-Polyamide erschließen zu wollen.

Studie: Bedarf an Pflanzen-Polyolen wächst um 9 %

Mittelfristig rechnen Beobachter und Marktanalysten mit einer kräftig wachsenden Nachfrage für die technische Verwendung von Pflanzenölen. So prognostiziert das USMarktforschungsinstitut Transparency Market Research in einer Studie bis 2020 ein Wachstum des Marktes für Pflanzenöl-Polyole von jährlich gut neun Prozent. Polyole sind Ausgangsstoffe zur Herstellung der Kunststoffe Polyurea und Polyurethan.

Rizinusöl : Niedrige Preise halten an

Obwohl Rizinus als Bio-Industrierohstoff international einen hohen Stellenwert genießt, zeigt sich am Markt bisher kein substanziell steigender Bedarf. Rizinus wird weltweit vor allem in Indien angebaut. Aufgrund seiner dominanten Marktstellung hat das Land einen hohen Einfluss auf die Preisgestaltung. In den letzten Wochen hatte ein Marktakteur seine Handelsaktivitäten stark zurückgefahren, der im letzten Jahr vor allem auf der Käuferseite gestanden und die Preise gestützt hatte. Wegen solch fehlender Kaufimpulse, einer guten Ernte und immer noch auskömmlichen Lagerbeständen haben die Preise seit Jahresanfang nachgegeben. Die Notierungen für eine Tonne Rizinusöl rutschten seit Dezember um mehr als zehn Prozent auf rund 1.550 EUR ab. Trotz des Abschwungs ist dieses Niveau für die indischen Bauern voraussichtlich Anreiz genug, im Frühjahr erneut Rizinus anzupflanzen. Sie orientieren sich bei der Kalkulation ihrer Aussaat üblicherweise am Preis für Sojaöl, gegenüber dem sie einen Aufschlag von 40 bis 45 Prozent fordern. Das ist bei den derzeitigen Rizinuspreisen gegeben. In den kommenden Monaten rechnen wir deshalb mit einer seitlichen Bewegung der Notierungen in einer Spanne zwischen 1.140 und 1.185 EUR.

Glyzerin: Starker Dollar belastet

Obwohl der Biodieselabsatz unter den niedrigen Rohölpreisen leidet, ist das Koppelprodukt Glyzerin kaum teurer geworden. Der Markt hatte wegen des Rückgangs der Biodieselproduktion mit einer tendenziell knapperen Glyzerinversorgung gerechnet. Denn Glyzerin ist ein Koppelprodukt und fällt parallel zur Biodiesel aus Soja, Palm und Raps an. De facto haben sich die Preise für eine Tonne Glyzerin seit Jahresbeginn nur mäßig erhöht. Sie liegen in Europa mit 430 bis 450 Euro je Tonne 20 bis 30 Euro über dem Niveau zum Ende des letzten Jahres. Ein Grund dafür ist das schleppende Exportgeschäft nach Lateinamerika. Wegen des gegenüber lokalen Währungen stark aufgewerteten Dollars rufen Glyzerin-Kunden aus Lateinamerika keine vollen Mengen ab sondern kaufen in Raten ein. Das führt zu Preisdruck auf die auch in Europa verfügbaren Glyzerin-Vorräte.

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