Mikrobieller Bewuchs auf Fassaden: VdL und IBP stellen Ergebnisse ihres gemeinsamen Forschungsprojekts vor
Donnerstag, 01. Dezember 2011
110 Gäste aus den Bereichen Planung, Fachhandwerk und Sachverständigenwesen konnte Dr. Hans Klein, der Vorsitzende der Fachgruppe Putz & Dekor im VdL, zu der Seminarveranstaltung in Holzkirchen begrüßen.
"Wenn die Fassade lebt: Maßnahmen gegen Algen und Pilze" - zu diesem aktuellen Thema hatten das Fraunhofer-Institut für Bauphysik (IBP) und die Fachgruppe Putz & Dekor im Verband der deutschen Lack- und Druckfarbenindustrie (VdL) kürzlich nach Holzkirchen eingeladen. Im Mittelpunkt der eintägigen Seminarveranstaltung, an der rund 110 Gäste aus Planung, Fachhandwerk und Sachverständigenwesen teilnahmen, standen die Ergebnisse eines über fünf Jahre laufenden Forschungsprojekts am IBP. Die wichtigsten Ergebnisse des gemeinsamen Forschungsprojekts von IBP und VdL präsentierten Dr. Klaus Breuer, der stellvertretende Institutsleiter am IBP Holzkirchen, und seine Mitarbeiter Christian Scherer und Dr. Wolfgang Hofbauer.
Fünf Jahre lang, von 2005 bis 2010, wurden Putzoberflächen auf WDVS-basierten Prüfkörpern einer Freilandexposition unterzogen. Insgesamt testete man dabei 33 unterschiedliche Varianten: Mit und ohne Biozide, organisch und mineralisch, mit und ohne Anstrich. Dabei bestätigte sich die generelle Wirksamkeit der verschiedenen Biozidmischungen; denn die Wachstumsentwicklung auf sämtlichen biozid ausgerüsteten Beschichtungssystemen war deutlich verringert.
Sogar nach vier Jahren Exposition wurde das mikrobielle Wachstum auf einigen biozid ausgerüsteten Varianten als unbedeutend eingestuft. Zudem fanden sich auf den Varianten mit Biozid deutlich weniger Arten von Algen und Pilzen. Auch eine Korrelation zwischen Biozid und Bindemittel ist laut den Untersuchungsergebnissen sehr wahrscheinlich. Allerdings zeigten sich je nach Art des Bindemittels bzw. des Biozids unterschiedliche Wirkungen, wobei der Wirkstoffgehalt allein keinen Rückschluss auf die Bewuchsanfälligkeit zulässt. Systeme mit Farbanstrich zeigten generell bessere Ergebnisse als Systeme ohne Farbanstrich.
Ergänzt wurde die Präsentation der Forschungsergebnisse des IBP durch einen Blick auf die Risikobeurteilung von Bioziden. Der Referent, Dr. Thomas Wunder von der Firma Thor, machte deutlich, dass es sich bei solchen Bewertungen um überaus komplexe wissenschaftliche Vorgänge handelt. Denn bevor Biozide in Endprodukten unbedenklich eingesetzt werden können, sind umfangreiche Dossiers, sogenannte Risk Assessments auf Basis von verbindlichen Guidance-Dokumenten zu erarbeiten. Solche Risikobeurteilungen erfordern sowohl beim Antragsteller als auch bei der beurteilenden Stelle eine hohe Kompetenz. Sie geben aber entscheidende Impulse für Innovationen und die Entwicklung von noch umweltverträglicheren Produkten.
Um die Abschätzung von Nutzen und Risiken ging es auch bei den vom Dr. Robert-Murjahn-Institut (RMI) in Zusammenarbeit mit dem IBP Holzkirchen und dem Institut für Bauforschung (IBAC) Aachen durchgeführten Freibewitterungsversuchen zum Auswaschverhalten von Putzen und Farben an Fassaden. Nach Ansicht von Dr. Engin Badga, dem Geschäftsführer des RMI, haben diese Untersuchungen, die sowohl in Holzkirchen, als auch in Ober-Ramstadt stattfanden, die notwendigen Grundlagen und Instrumente geliefert, um künftig Rechtssicherheit zu schaffen. Dazu ist es jedoch erforderlich, diese Daten jetzt den zuständigen Stellen wie Umweltbundesamt und Deutsches Institut für Bautechnik zu präsentieren. Es sei extrem wichtig, frühzeitig mit den zulassenden Behörden in Kontakt zu treten; darauf wies auch Dr. Klaus Breuer in seinem Schlusswort hin: "Die Risikofestlegung," so Breuer, "ist ein gesellschaftlicher Prozess".










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